13.07.2010

Auf Schatzsuche

Der wertvollste Besitz Österreichs liegt nicht im Safe einer Bank, sondern direkt vor unseren Augen. Historische Gebäude, seit Jahrhunderten gehegte Kunstschätze oder Lebensräume wie Seen und Wälder haben einen unbezahlbaren Wert.


Doch wo verstecken sich die teuersten Stücke aus dem Familiensilber des Bundes? REPUBLIK hat sich auf die Suche begeben und präsentiert Schätze, die nicht nur Finanz-Analysten gefallen.

Das Kaiserschloss

Wo einst Sissi und Franz residierten, umweht auch heute noch ein Hauch von Aristokratie die Schlossmauern und Gärten.Als Kulturdenkmal und Prestigeobjekt ist das Schloss Schönbrunn zwar längst seinem reinen Materialwert entwachsen, doch auch die harten ökonomischen Fakten machen die Sonderstellung des historischen Juwels deutlich: Der Versicherungswert der Gebäudeteile (mit Ausnahme des Tiergartens) liegt bei stolzen 300 Mio. Euro, die prunkvolle Innenausstattung ist mit  50 Millionen versichert.

Der Wandschmuck

Unzählige Menschen sitzen essend und trinkend entlang einer einfachen Holztafel: Auf den ungeübten Betrachter wirkt die Szenerie auf Pieter Bruegels „Bauernhochzeit“ recht konventionell. Das Ölgemälde aus dem 16. Jahrhundert gehört jedoch zu den teuersten Objekten des Kunsthistorischen Museums (KHM). Geschätzter Wert: 100 Mio. Euro. „Jüngste Auktionsergebnisse aus Kunst und Malerei können bei einer solchen Schätzung als Vergleichswerte herangezogen werden“, sagt Karl Schütz, Direktor der KHM-Gemäldegalerie.

Der Silbersee

Luxuriöse Sommersitze und tosende Society-Feste: Der türkis-blaue, fast 20 km2 große Wörthersee ist das schillerndste und zugleich teuerste Nass Österreichs. „Hier ist der touristische Druck am größten, deshalb erzielt man rund 16 Euro pro Quadratmeter für Stege, Bojen oder Bootshäuser“, sagt Bernhard Schragl. Er ist bei den ÖBf u.a. für das schwierige Thema der Bewertung von Naturschätzen zuständig und gibt ein weiteres Beispiel: „Ein unberührter Gebirgsee, in dem es den stark gefährdeten Edelkrebs noch gibt, ist vielleicht ein viel größerer biologischer Schatz.“

Die Bildungsstätte

Der wertvollste Besitz einer Familie ist oft das eigene Zuhause – Ähnliches gilt auch für die Republik. Rund neun Milliarden Euro beträgt das Immobilienvermögen der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) zu dem historische Bauten wie die Universität Wien oder der Justizpalast genauso gehören wie moderne Architektur. Gerade noch im Entstehen wird der neue Science Park (Bild) der Johannes Kepler Universität in Linz mit einem Gesamtvolumen von rund 90 Mio. Euro schon als eines der wertvollsten Objekte eingestuft.

Die Waldkammer

Österreich gehört zu den waldreichsten Nationen Europas. Das freut nicht nur den Schwammerlsucher, sondern auch die Kassa der Bundesforste (ÖBf). Sie sind im Besitz von 525.000 Hektar des grünen Lebensraums. Mit bis zu 80.000 Festmetern Holz erwirtschaftet allein der Kobernaußerwald (Bild) rund 6,5 Mio. Euro pro Jahr. „Nach rein ökonomischen Gesichtspunkten ist dieses Gebiet die Waldkammer der Bundesforste“, sagt Georg Schöppl, ÖBf-Finanz- und Immobilienvorstand. Nachsatz: „Das ist allerdings bei einem Ökosystem eine sehr eingeschränkte Sichtweise.“

Drucken Empfehlen shareShare
blog comments powered by Disqus
HOME
THEMEN |Persönlich |Schwerpunkt |Thema |Projekte |Beschaffung |Karrieren
ARCHIV
VERANSTALTUNGEN
KONTAKT |Newsletter |Impressum |Testheft bestellen |Abo bestellen