Baukultur on Tour
Seit Jahresanfang ist die Ausstellung zum LandLuft Baukultur-Gemeindepreis auf Reisen. Bis Ende 2011 tourt sie durch ganz Österreich und kann bei LandLuft kostenlos ausgeliehen werden.
Weiters ist ein Buch erschienen, das sich als Handbuch für alle, die in ihrem Umfeld aktiv werden möchten, versteht. Das Projekt wird u.a. vom BMUKK, vom Lebensministerium und der Bundesimmobiliengesellschaft unterstützt.
Für 2012 ist ein neuer Wettbewerb geplant.
Weitere Infos: www.landluft.at
13.03.2010
Eine Frage der Kultur
Baukultur gilt als Schlüssel zur nachhaltigen Entwicklung von Gemeinden. Eine Ausstellung zeigt nun prämierte Erfolgsbeispiele aus unterschiedlichen Regionen. Ihr Ziel: Einen Umdenkprozess in Richtung einer zeitgemäßen Architektur ins Rollen bringen, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht.
Die Hoffnung war groß, dass Kopenhagen endlich den Durchbruch im Klimaschutz bringen könnte. Alle Welt blickte gebannt auf die dänische Hauptstadt und musste erkennen, dass der von vielen Staatschefs beehrte UN-Gipfel letztlich zu keinem substanziellen Ergebnis geführt hatte. Die Komplexität ist auf internationaler Ebene enorm, wie auch der britische Soziologe Anthony Giddens in seinem kürzlich erschienenen Buch „The Politics of Climate Change“ schreibt.
Dabei braucht es nicht immer komplexe Lösungen, wenn man den Blick auf die Ebene der konkreten Tat richtet. Die ambitioniertesten Klimaziele bringen wenig, wenn der Wandel nicht in den gesellschaftlichen Strukturen und in der Alltagskultur greift. Neben der Frage, wie wir uns fortbewegen (Mobilitätskultur), hat sich die Baukultur als wesentliches Element dieses Wandels herauskristallisiert.
Baukultur im ländlichen Raum
Ein Wettbewerb, der im vorigen Jahr erstmals ausgeschrieben wurde, widmet sich dem weithin unterschätzten Thema Baukultur im ländlichen Raum. Nicht das „schöne“ Bauwerk steht im Zentrum der Initiative „LandLuft“. Es sind vielmehr die Prozesse und die Menschen, die dahinterstehen. „Baukultur ist eine Philosophie des ländlichen Raumes, die soziale Vernetzungen der örtlichen Gesellschaft abbildet und fördert“, beschreibt Helmut Mödlhammer, Gemeindebund-Präsident, seinen Zugang zum Thema. Es geht letztlich um die Frage, unter welchen Bedingungen Baukultur entstehen kann bzw. welche Strategien in der Umsetzung erfolgreich sind.
Der LandLuft-Gemeindepreis zeichnete Ende vergangenen Jahres vorbildhafte Gemeinden aus ganz Österreich aus. Acht von 24 Einreichungen wurden von einer Jury unter dem Vorsitz von Roland Gnaiger (Kunstuniversität Linz) und Chris-toph Luchsinger (TU Wien) ausgewählt und ausgezeichnet. LandLuft-Vorstand und Architekt Roland Gruber erläutert im Gespräch mit REPUBLIK: „Bei den einzelnen Gewinnern geht es nicht darum, eine einzige Lösung für alle Gemeinden anzubieten, sondern die unterschiedlichen Kulturen der jeweiligen Orte zu berücksichtigen.“
Seit den 90er-Jahren gilt Vorarlberg als österreichisches Architektur- und Baukultur-Mekka – und das weit über die Landesgrenzen hinaus. Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, dass die 3.000-Einwohner-Gemeinde Zwischenwasser im Bezirk Feldkirch als Sieger des ersten LandLuft-Wettbewerbes hervorging.
Best-Practice in Hinterstoder
Auch in anderen Bundesländern gibt es Erfolgsbeispiele zu finden. Die ebenfalls ausgezeichnete oberösterreichische Gemeinde Hinterstoder verdeutlicht, dass es bei Baukultur um mehr als einzelne Gebäude und deren Architektur geht. Letztlich stehen systemische Faktoren im Vordergrund, etwa die Art und Weise wie der Verkehr organisiert werden kann, um gleichzeitig den Bedürfnissen der Bewohner und touristischen Ansprüchen gerecht zu werden. So setzt Hinterstoder auf sanfte Mobilität, etwa durch umweltfreundliche Verkehrsmittel oder Services wie einen Schibus, ein Wanderer-Taxi, Elektrofahrräder etc. In einer Kooperation mit anderen Gemeinden aus dem In- und Ausland ist Hinterstoder Teil der Initiative „Alpine Pearls“. Das Marketing setzt ebenso auf nachhaltige Aspekte.
Kommunale Leitprojekte, die durch ihre Architektur Aufmerksamkeit erhalten, sind dennoch Impulsgeber in der Ortsbildentwicklung. „Es kann nicht sein, dass nur das gebaut wird, was dem Bürgermeister gefällt.“ Mit diesen deutlichen Worten beschreibt Helmut Wallner, Bürgermeister von Hinterstoder, seine Haltung. Der Wandel im Ort erfolgte nicht immer frei von Widerständen und Konflikten, den ein solcher benötigt neben entscheidungsfreudigen Verantwortlichen vor allem eines: Zeit. Insbesondere beim Bau des Alpineums gab es teils große Widerstände. Das Ausstellungsgebäude wurde 1998 in zeitgemäßer Architektur mit viel Holz und Glas errichtet. Die einheimische Bevölkerung blieb zunächst skeptisch. Aber durch soziale und kulturelle Maßnahmen wie einen Volksmusik-abend wurden schnell Bezugspunkte zum erlebbaren Raum hergestellt. Bald war man auch stolz auf den im Jahr 2000 mit dem Europäischen Museumspreis ausgezeichneten Bau. Auch die Höss-Halle, ein Veranstaltungszentrum im Stadtkern, gilt als architektonisches Best-Practice-Beispiel. Unterstrichen werden die Qualitätsansprüche in Sachen Design durch ein eigenes, durchgängiges Branding der Gemeinde.
Baukultur zahlt sich aus
Nach dem Wettbewerb und einem Fachsymposium startet LandLuft nun eine Ausstellungstour durch Österreich. „Wir wollen Gemeindevertreter, Politiker und alle Interessierten davon überzeugen, dass sich Baukultur auszahlt und von Menschen wie du und ich gemacht wird“, beschreibt Roland Gruber die Ziele der Ausstellung. „Der Start Mitte Jänner in Bruck an der Leitha war sehr erfolgreich. Die Nachfrage ist enorm.“
In den kommenden Monaten wird die Ausstellung in allen Regionen der Steiermark zu sehen sein.
Ein Beweis, dass die Steiermark einen engagierten Weg in Sachen Baukultur geht? Vergangenen Herbst wurden jedenfalls die baupolitischen Leitsätze des Landes Steiermark einstimmig von der Landesregierung beschlossen. „Das Wechselspiel aus konkreten, erfolgreichen Beispielen und der Etablierung ambitionierten Leitsätze ist der Schlüssel zum Erfolg. Baukultur braucht eine breite Verankerung an der Basis“, so Gruber. Verbindliche Regeln etwa bei der Energieeffizienz sind wichtig, aber die kulturelle Verankerung funktioniert nur, wenn sich die Betroffenen damit identifizieren können und etwas entsteht, was auch beim Bauen wichtig ist: Emotion.
Georg Günsberg
Hintergrund

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