Austria Wirtschaftsservice
Die Förderbank der Republik Österreich, die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) wurde 2002 gegründet, um den österreichischen Mittelstand mittels Haftungen, zinsgünstigen Krediten, Zuschüssen, Eigenkapitalfinanzierungen und durch gezielte Beratung zu unterstützen.
Die Spezialbank des Bundes ist zu 100 Prozent im Besitz der Republik, das BMWFJ und das BMVIT agieren als Eigentümervertreter.
Wirtschaft
15.04.2010
Beteiligung ohne Mitsprache
Gerade für KMU ist es zurzeit schwer, an finanzielle Mittel zu kommen. Ein neuer Fonds, der sich auf stille Unternehmensbeteiligungen spezialisiert, wird nun als Alternative zum klassischen Kredit gehandelt. REPUBLIK zeigt, was dahintersteckt.
Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen hat die Wirtschaftskrise ihre Spuren hinterlassen. Wer heute Produktentwicklungen oder weitere Expansionsschritte plant, überlegt es sich lieber dreimal. Hinzu kommt, dass es fast unmöglich geworden ist, einen Kredit zu bekommen. Ein alternativer Weg der Öffentlichen Hand, der heimischen Wirtschaft wieder auf die Sprünge zu helfen, besteht aus stillen Unternehmensbeteiligungen. Mit einem Fonds, der im vorigen Dezember gegründet wurde, will nun die Förderbank Austria Wirtschaftsservice (aws) in diese Kerbe schlagen und Wachstumskapital für den Mittelstand generieren.
Neues Wachstumsmodell
Im Februar 2010 gab der Fonds seine erste Beteiligung am Personaldienstleis-ter Reaktiv bekannt. Um die Zukunft des Unternehmens, das sich auf das Vermitteln von Langzeitarbeitslosen, Behinderten oder Migranten spezialisiert hat, sicherzustellen, investierte man rund 2,5 Mio. Euro. Bereits einen Monat später folgte der Solar-Spezialist Solution, der mit dem neuen Kapital weitere Expansionsschritte in Europa plant. „Österreich braucht ein Wachstumsmodell, denn nur wachsende Unternehmen schaffen Arbeitsplätze", sagt Johann Moser, aws-Geschäftsführer.
„Grundsätzlich sind solche Instrumente zur Steigerung der Eigenkapitalquote begrüßenswert. Ob Unternehmer das auch so sehen und Partner willkommen heißen, die ihren Entscheidungsspielraum einschränken könnten, ist eine andere Frage", sagt Josef Mugler, KMU-Experte an der WU Wien.
Ein Eingriff in das operative Tagesgeschäft der Unternehmen sei durch eine Investition des neuen Fonds allerdings nicht gegeben. Das sagt zumindest Arno Langwieser, der Leiter des Fonds: „Es ist keine Abgabe von Unternehmensanteilen und kein Mitspracherecht vorgesehen." Über künftige Gewinne und den späteren Verkauf der Beteiligungen wird das eigene Investitionsrisiko abgedeckt.
Weitere Beteiligungen des mit 80 Mio. Euro dotierten Förderinstrumentes sind bereits in Planung, gerade bei kostenintensiven Produkt- oder Verfahrensentwicklungen, Markterschließungen oder Nachfolgeregelungen sieht Langwieser das Potenzial der auf fünf bis zehn Jahre ausgelegten Finanzspritzen. Branchenmäßig ist man, wie auch die bisherige Auswahl zeigt, offen.
„Wir beteiligen uns jedoch nicht an börsennotierten Unternehmen oder Sanierungsfällen", so der Geschäftsführer. Die Laufzeit ist bis Ende 2025 geplant, pro Vorhaben stehen zwischen 0,3 und 5 Mio. Euro zur Disposition. Eine Aufstockung des Expansionskapitals auf bis zu 160 Mio. Euro durch private Investoren ist möglich.
Christina Leitner
WISSEN

„Wir mischen uns nicht ins operative Geschäft ein.“ Arno Langwieser, aws-Mittelstandsfonds

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