Wie kann man aus Mikroalgen Biodiesel und Tierfutter herstellen? Eine Frage, die Verfahrenstechnikerin Heike Frühwirth und ihr Team gerade beschäftigt. Frühwirth leitet die Abteilung „F&E Biotech" bei BioDiesel International (BDI). Damit ist sie eine der wenigen Frauen, die eine Forschungsabteilung führen. Zu verdanken hat sie diese Karriere ihrer Eigeninitiative, einem Quentchen Glück – und FEMtech, einem Programm zur Förderung von Frauen in Forschung und Technologie. FEMtech ist ein Teil von fForte, einer gemeinsamen Initiative des Rats für Forschung und Technologieentwicklung und mehreren Ministerien (BWMF, BMUKK, BMVIT, BMWFJ). Als nächstes plant Frühwirth ein Mentoring-Programm im Unternehmen. „Ohne FEMtech wäre auch das nicht möglich", so die Forscherin. „Einerseits braucht das Unternehmen das Fördergeld und andererseits hat ein Projekt, das von der Öffentlichen Hand unterstützt wird, einen anderen Stellenwert. Damit kann man den Vorstand leichter überzeugen."
Echte Strukturveränderungen in Unternehmen und Forschungseinrichtungen will man mit dem Förderungsprogramm erreichen. „Es geht dabei um mehr, als die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf", sagt die zuständige Projektleiterin im BMVIT, Gertraud Oberzaucher. Denn auch Unternehmen profitieren von Chancengleichheit. „Studien zeigen, dass Unternehmen ökonomisch erfolgreicher sind, wenn es Frauen und Männer in der Führungsebene gibt", so Oberzaucher.
Fehlende Kontakte zur Industrie
Dennoch gibt es in Österreich nur wenige Frauen in Spitzenpositionen von Forschungsunternehmen. Die oft bemühte Begründung: Frauen könnten die Leitung eines Forschungsinstituts nicht mit der Familie vereinbaren. Und Frauen würden „ohnehin" gerne an zweiter Stelle stehen.´
Eine Studie der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) widerlegt allerdings diese Stereotype. „Es gibt sehr wohl viele Frauen, die gerne eine technische oder naturwissenschaftliche Institution leiten würden", weiß Sabine Pohoryles-Drexel von der Abteilung Forschung und Technologie im Wirtschaftsministerium: „Diese Frauen sind zwischen 40 und 50 Jahre alt, da ist Kinderbetreuung kein Thema mehr." Aber warum schaffen es dann nur so wenige Forscherinnen, die gläserne De-cke zu durchbrechen? „Den Frauen fehlen einfach die informellen Kontakte zur Industrie und die Netzwerke, die Männer haben", sagt Pohoryles-Drexel.
Mehr Frauen an der Spitze
Einen kleinen Ausgleich sollen die acht „Laura Bassi Centers of Expertise" schaffen. Die Forscherinnen haben sich ein Thema überlegt und Partner in der Industrie gesucht. Mit den entsprechenden Fördergeldern im Hintergrund ist das natürlich einfacher. Susanne Reithofer, die zuständige FFG-Programmleiterin, verwaltet für die siebenjährige Laufzeit der Laura Bassi Zentren rund 15 Mio. Euro an Förderungen: „Zusammen mit Eigenleistungen und Mitteln der Industrie umfassen die acht Zentren ein Gesamtvolumen von rund 25 Millionen Euro."
Ein Laura Bassi Zentrum wird von der Augenärztin Talin Barisani-Asenbauer geleitet. Mit ihrem Team versucht sie, einen Impfstoff für eine Augenkrankheit zu enwickeln. Durch diese Krankheit haben in den Entwicklungsländern Millionen von Menschen ihre Sehkraft verloren. „So können Forscherinnen auch Nicht-Mainstream-Themen aufgreifen. Viele Frauen interessieren sich für Themen, die von der Industrie nicht so sehr gefordert werden und die auch eine ethische Komponente haben", erklärt Barisani-Asenbauer.
Die Wissenschaftlerin sieht Frauen mit zwei großen Problemen konfrontiert: Wer eine Professur anstrebt, muss eine gewisse Zeit im Ausland tätig gewesen sein. Das ist für viele Frauen schwierig. Viele nehmen außerdem einen Karriereknick in Kauf, wenn die Kinder klein sind und wollen später wieder durchstarten. Doch schon ab 40 kann es zu spät sein: Für viele Forschungsförderungen gibt es eine Altersgrenze.
Ungleichgewicht an der Uni
Offenbar ist Chancengleichheit ohne zusätzliche Mittel nur schwer möglich – in der Wirtschaft ebenso wie im wissenschaftlichen Bereich. Zwar sind mehr als die Hälfte der Studierenden Frauen, doch mit jeder Stufe der wissenschaftlichen Laufbahn verringert sich ihre Zahl. Roberta Schaller-Steidl kümmert sich im Wissenschaftsministerium um „Excellentia", ein Programm im Rahmen von fForte academic. Entsprechende Fördermittel sollen die Universtitäten dazu bringen, mehr Frauen als Professorinnen zu berufen. Seit 2005 stieg die Professorinnen-Quote dadurch von 13 auf 17,2 Prozent. „Das Programm wird laufend evaluiert, die nächste Ausschreibung erfolgt Mitte 2010. Außerdem wurde die Steigerung der Frauenquote als Ziel in den Leistungsvereinbarung zwischen Universtitäten und Ministerium verankert", so Schaller-Steidl. Zu Beginn können zusätzliche Gelder durchaus ein Anreiz, doch nach einer gewissen Zeit muss Frauenförderung automatisch Teil der Personalentwicklung und der Entscheidungsprozesse sein. Dieser Kulturwandel ist noch ausständig.
Ursula Horvath

Forschungslabor statt Frisörsalon
Fragt man junge Mädchen nach ihren Berufswünschen, stehen noch immer Verkäuferin und Frisörin ganz oben auf der Liste. „Als Frau in einem ungewöhnlichen Beruf muss man sich auch um den Nachwuchs kümmern“, ist Verfahrenstechnikerin Heike Frühwirth überzeugt. Durch FEMtech, ein Programm des BMVIT, kann sie Schulklassen ins Unternehmen einladen, um jungen Mädchen ihre Arbeit vorzustellen.
Wenn dann nach der Uni das Berufsleben beginnt, haben es Frauen in naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen nicht leicht. Die Programmlinie FEMtech Karrierewege fördert Kooperationen zwischen Universitäten und forschungsintensiven Unternehmen. Studentinnen können zwei Jahre n einem Unternehmen mitarbeiten und ihre Dissertation schreiben.
Den Dialog zwischen Jugendlichen und den Akteuren von Forschung, Innovation und Technologie unterstützt das BMVIT mit „Generation Innovation“. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören Praktika für Schüler sowie Forschungsschecks für Schulen.
Wer sich ständig um die nächste Miete Sorgen macht, kann nicht in Ruhe forschen. Der Wissenschaftsfonds (FWF) fördert daher im Auftrag des BMWF junge Spitzenforscher aus allen Disziplinen. Mit bis zu 200.000 Euro pro Jahr sollen sich die jungen Akademiker sechs Jahre lang auf ihre Forschungsprojekte konzentrieren.