12.05.2010
Wo sind die Kader schmieden der Verwaltung?
Knapp 350.000 Menschen arbeiten in Österreich für Bund, Länder und Gemeinden. Das entspricht lt. Personalbericht des Bundes rund 12 Prozent aller heimischen Arbeitnehmer. Dennoch gab es lange Zeit keine Ausbildungsmöglichkeiten mit zentralem Fokus auf die öffentliche Verwaltung.
Eine Institutionalisierung des Fachs „Verwaltungswissenschaften“ hat in Österreich – im Gegensatz zu Deutschland – nie stattgefunden. Noch immer gelten Rechtswissenschaft oder Betriebswirtschaftslehre als klassische Einstiegsstudien für Jobs in der Verwaltung. Dieses Dogma löst sich langsam und stetig auf. In den vergangenen fünf Jahren schossen spezialisierte Public-Management-Studiengängen aus dem Boden, viele davon an Fachhochschulen. Hauptgrund: Der Bologna-Prozess brachte Bewegung in die Strukturen des tertiären Bildungssektors – endlich gab es Alternativen zu den bis dahin gängigen Diplomstudien.
Zersplitterte Ausbildungslandschaft
Dabei erkennt man jedoch keine koordinierte Strategie. Die Ausbildungslandschaft für Public Management präsentiert sich vielmehr zersplittert: Mehrere Post-Graduate-Programme stehen einer überschaubaren Zahl an Grundstudien gegenüber. Nicht nur die Art der zu erwerbenden Abschlüsse, sondern auch die inhaltliche Schwerpunktsetzung variiert. So hat etwa die Donau Uni Krems einen starken IT-Fokus, während sich die Salzburg Management Business School eher an der wirkungsorientierten Verwaltungsführung ausrichtet. Was alle Ausbildungen vereint ist der interdisziplinäre Charakter.
„Führungskräfte im öffentlichen Bereich benötigen ein breites Fundament an betriebswirtschaftlichem Wissen. Verbunden mit rechtlichem Sachverstand sowie methodischen und sozialen Kompetenzen ergibt dies eine ideale Basis“, sagt Markus Lehner, Lehrgangsleiter an der FH Oberösterreich. „Public Management: Das ist bei Weitem nicht nur die Verwaltung, der Begriff umfasst auch die vielen ausgegliederten Organisationen und Public Private Partnerships“, ergänzt Renate Renate Meyer Institut für Public Management an der WU Wien. Für die Steuerung all dieser Institutionen bedürfe es der Fähigkeit, Management- und betriebswirtschaftliches Know-how in die Sprache der Politik und der Verwaltung zu übersetzen.
Die Wichtigkeit dieser Fähigkeit hat man auch im Bund erkannt. Viele neue Mitarbeiter hätten trotz eines hohen Bildungsniveaus keine ausreichenden fachübergreifenden Kenntnisse, wird im Personalbericht des Bundes 2009 bekrittelt. Um diesen Mangel an spezialisierten Absolventen zu kompensieren und den Ein- und Nachschulungsbedarf zu verringern, wurde im Herbst 2008 in Zusammenarbeit mit der FH Campus Wien ein berufsbegleitender Bachelor-Studiengang ins Leben gerufen.
Das Angebot richtet sich speziell an Personen, die bereits für die Öffentliche Hand arbeiten. Durch Anrechnung ihrer Dienstprüfung können sie die Mindeststudiendauer von sechs auf vier Semester verkürzen. „Besonderen Wert legen wir darauf, dass unsere Studierenden sich kritisch mit ihrem Aufgabenbereich und ihrem beruflichen Umfeld auseinandersetzen“, sagt Studiengangsleiter Wolfgang Gratz. Zusätzlich sollen auch soziale und persönliche Führungskompetenzen entwickelt werden. Knapp 60 Teilnehmer haben sich bisher pro Semester eingeschrieben. Ab Herbst 2011 soll es als nächsten Schritt ein berufsbegleitendes Master-Programm geben, das sich mit dem Management von Veränderungsprozessen auseinandersetzen und Mitarbeiter für höhere Management-Aufgaben ausbilden soll.
Bachelor noch nicht anerkannt
Neben dem FH Campus in Wien bieten auch die FH Kärnten und jene in Ober-österreich Grundstudium und Post-Graduate-Qualifikation für Public Management an. Problematisch erscheint allerdings, dass die ersten Bachelor-Absolventen Schwierigkeiten haben, Beschäftigungen zu finden. Die Bachelor-Ausbildung gilt schließlich in der Verwaltung noch nicht als vollwertiger akademischer Abschluss. Gratz geht aber davon aus, dass eine Änderung des Dienstrechts aber nur eine Frage der Zeit ist: „Der Bund steht unter Zugzwang, ein Zeichen für den Arbeitsmarkt insgesamt zu setzen.“ Lehner geht noch einen Schritt weiter und stellt in Frage, ob das klassische A- und B-System der Verwaltung überhaupt noch zeitgemäß ist: „Man wird auf Dauer nicht umhin kommen, die Einstufungssysteme zu flexibilisieren. Erste Bundesländer haben bereits damit begonnen, nicht nur die Ausbildungen, sondern auch die Aufgaben ihrer Mitarbeiter zu werten.“
Neue Konzepte
Auch in der Post-Graduate-Landschaft verfolgt man die Situation genau: „Sobald es eine kritische Zahl an Bachelor-Absolventen gibt, müssen wir die Master aufgrund des bereits vorhandenen Vorwissens dieser Zielgruppe umstrukturieren“, sagt Christine Leitner, Lehrgangsleiterin des österreichweit einzigen „Master of Public Administration“-Programms an der Donau-Uni Krems. Schon jetzt stellt sie fest, dass bei vielen MBA-Qualifikationen der Staat zu sehr wie ein Unternehmen behandelt wird, ohne dass man darüber eine substanzielle wissenschaftliche Diskussion führe. Hier brauche es gemeinsame Plattformen, um neue Konzepte zu entwickeln und langfristig einen Kompetenzkatalog für moderne Verwaltungsbedienstete zu erstellen. Leitner plädiert dabei in erster Linie für einen internationalen Ansatz. „Das Thema EU-Integration wird in vielen Programmen nur peripher behandelt. Das entspricht aber nicht der Verwaltungspraxis.“
Austausch mit Übersee
Durch mehr grenzüberschreitende Studiengänge könne die Vernetzung vorangetrieben und Barrieren abgebaut werden, so Leitner. In Krems sind Austauschprogramme mit der Schweiz und eine einwöchige Studienreise vorgesehen. Die Salzburg Management Business School konnte in New York und Washington DC amerikanische Unikooperationspartner gewinnen.
Wolfgang Gratz teilt die Forderung nach mehr akademischem Dialog. Für ihn sind aber vor allem die Universitätsinstitute gefordert, sich mehr mit den speziellen Fragen des Öffentlichen Dienstes zu beschäftigen. Derzeit ist das Institut für Public Management der WU Wien hier allein auf weiter Flur: „Natürlich hätte das Fach ein größeres Gewicht, wenn es von vielen Instituten und Forschern getragen würde. Insbesondere auf einschlägigen internationalen Konferenzen fällt uns auf, dass sich die Österreicher meist an einer Hand abzählen lassen“, so Renate Meyer. Ihr Institut bietet jedes Semester 30 Studenten eine praxisbezogene
Spezialisierungsmöglichkeit. Für die Zukunft könne sie sich vorstellen, an der WU auch ein MPA-Programm anzubieten. Nur die derzeitige Ressourcenausstattung hindert sie daran noch.
|
|

Werbung






Drucken
Empfehlen
Kommentieren
Share


