Festnahmen seit 01.01.2003
73 Männer
8 Frauen
33 Schwerbetrüger
15 Mörder
10 Räuber
6 Suchtgifthändler
4 gef lohene Strafgefangene
1 Terrorist
Sonstige
38 in Österreich
32 in Europa (Spanien, Deutschland, Ungarn, Schweiz, Italien, Slowakei, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Niederlande, Frank-reich, Ukraine, England, Polen, Kosovo, russische Föderation)
4 in den USA
4 in Südamerika
1 in Kanada
1 im Irak
14.05.2010
Catch me if you can!
73 Männer und 8 Frauen hat das mittlerweile fünf Mann starke Team um Helmut Reinmüller seit 2003 ausgeforscht und überwältigt. Darunter die größten Steuerbetrüger Österreichs: Werner Rydl etwa, der sich unter brasilianischen Palmen sicher glaubte und die korrupte Polizei auf seiner Seite hatte. „Ein Schlitzohr sondergleichen“, erinnert sich Reinmüller, dem schließlich mit der Bundespolizei Brasiliens die Festnahme Rydls und nach weiteren 4,5 Jahren die Auslieferung gelang.
Der Grundgedanke der Zielfahndung hat einen terroristischen Hintergrund: Der Anschlag bei den Olympischen Spielen im Jahr 1972 in München erforderte eine zielgerichtete Fahndung der Täter. Bald erkannte man, dass die Instrumente der Zielfahndung auch für die kriminalpolizeiliche Arbeit hilfreich sind. 1988 wurde in Deutschland die erste Zielfahndungseinheit gegründet, 2002 begann man mit dem Aufbau des österreichischen Pendants im neu gegründeten Bundeskriminalamt (BK). Von Kollegen aus anderen Abteilungen des BK unterscheiden sich die fünf Zielfahnder, weil sie schwerpunktmäßig international fahnden. „Das heißt, wir suchen mit europäischem oder internationalem Haftbefehl jene Täter, die ins Ausland geflüchtet sind und sich irgendwo unter falschem Namen aufhalten“, erklärt Helmut Reinmüller, Leiter der Zielfahndungseinheit.
Kleine Welt
Während ein Zielfahnder früher sämtliche Anfragen über Interpol in andere Staaten schicken musste, sind Recherchen heute binnen weniger Minuten erledigt. Das Internet hat die Arbeit erleichtert, eröffnet aber auch den Tätern neue Möglichkeiten. Außerdem habe sich durch die offenen Grenzen das Fluchtverhalten der Täter geändert. Die internen Datenbanken beurteilt Reinmüller als „sehr gut“, doch zwei Drittel der benötigten Infos böte immer noch das Internet. Eines weiß Reinmüller aus Erfahrung: „Früher war es für den Täter einfacher: Je weiter weg er geflohen ist, desto schwerer war er auch aufzuspüren“, so der Beamte.
Wettlauf mit der Zeit
Als Paradebeispiel einer Zielfahndung bezeichnet Reinmüller den Fall der Wirtschaftskriminellen Dietmar Böhmer und Harald Loidl. Diese Betrüger haben es geschafft, 16.000 Personen um insgesamt 150.000 Euro zu schädigen. Als vermeintliche Topfinanzmanager warben die beiden mit Investitionen in Aktien und Immobilien.
In Wirklichkeit haben sie das Geld in die eigene Tasche
gewirtschaftet und auf Konten nach Liechtenstein, in die Schweiz und in die USA transferiert. Gebrieft von ihren Rechtsanwälten konnten sich die beiden auf der venezolanischen Insel Margarita absetzen. Wohl wissend, dass sich die dortigen Behörden mit Geld bestechen lassen und eine Auslieferung nur selten funktioniert. „Von da an war es ein Wettlauf mit der Zeit“, erinnert sich Reinmüller.
Denn im BK wusste man, dass die Betrüger Aktionen setzen könnten, die eine Auslieferung nach Festnahme zusätzlich erschweren würde: „Täter erschwindeln sich die Staatsbürgerschaft, gehen eine Scheinehe ein, und manche lassen sich sogar adoptieren oder schwängern eine Frau – weil der soziale Aspekt eine Abschiebung quasi unmöglich macht“, sagt der Zielfahndungschef. Eine ausgesprochen gute Kooperation aller international Beteiligten habe in diesem Fall innerhalb von drei Tagen einen nationalen Haftbefehl und die Zusicherung der Auslieferung erwirkt.
Zielfahndungsfälle werden übrigens grundsätzlich von Zielfahndern abgeholt. Das hat mehrere Gründe: „Zum einen wollen wir diese Menschen kennenlernen. Wir wollen uns mit ihnen über ihren Fall und das Fluchtverhalten unterhalten und daraus lernen. Die meisten Menschen sind bei der Heimreise sehr kooperativ“, schildert Reinmüller. Mit einer speziellen Methodik der systematisierten Fahndung hat sein Team bereits viele Menschen durchleuchtet und Puzzleteile von der Geburt eines Menschen bis zur Flucht erfolgreich zusammengebaut. Mit dem Ziel, in jedem EU-Mitgliedstaat eine eigene Zielfahndungseinheit zu haben, hilft Reinmüller beim Aufbau neuer Organisationen. Ein funktionierendes Netz verspreche einen Anstieg der Fahndungserfolge. „Derzeit sind wir eine kleine Familie“, so der Zielfahnder.
Statistik Zielfahndung

Werbung





Drucken
Empfehlen
Kommentieren
Share


