15.06.2010
Ein für alle Ökosystem
vereinten Europa auch für den Naturschutz. Wie internationale
Zusammenarbeit im Grünen funktionieren kann, zeigt ein Nationalpark Netzwerk entlang der Donau.
Text: Christina Leitner
Mit weltweit 12.000 Brutpaaren ist der Seeadler heute wieder auf einem guten Weg. Nachdem ihn der Mensch vor etwa 100 Jahren in Westeuropa praktisch ausgerottete, nimmt der Bestand seit den 1960er-Jahren langsam wieder zu. Europas Aulandschaften gelten als wichtige Lebensachse für den stolzen Greifvogel. Deutschland, Ungarn, Serbien oder Bulgarien – etwa 100 Brutpaare haben sich in Nationalparks entlang der Donau angesiedelt, 13 davon nisten laut WWF in Österreich.
Da sich der Seeadler bei der Auswahl seines Reviers nicht von Staatsgrenzen beeindrucken lässt, muss der Artenschutz länderübergreifend zusammenarbeiten. „Danubeparks“ nennt sich ein Netzwerk aus 12 Schutzgebieten in 8 Donauländern, das heuer einen Fokus auf den Erhalt des österreichischen Wappentiers legt. Bestehende Horste werden gesichert, Waldgebiete beruhigt oder in Gegenden mit geringem Baumbestand sogar künstliche Nistplattformen geschaffen.
Europäische Kooperationen sind im Naturschutz keine Neuheit, wie die langjährige Zusammenarbeit des Nationalparks Donauauen und des ungarischen Duna Dráva-Schutzgebietes beweist. Durch die 2009 gegründete Plattform entsteht nun erstmals ein donauweites Netzwerk, das sich durch Erfahrungsaustausch, gemeinsame Strategien und konkrete Projekte gegenseitig den Rücken stärken soll. Für den Aufbau und die Umsetzung von Pilotprojekten stehen bis 2012 rund 2,7 Mio. Euro zur Verfügung. Die Finanzierung erfolgt durch das EU-Förderprogramm für Europäische Territoriale Zusammenarbeit in Südosteuropa.
Der Nationalpark Donauauen ist als Lead-Partner für die Koordination verantwortlich. Die Internationale Donauschutzkommission und nationale Ministerien unterstützen das Projekt als so genannte Observer-Partner. „Gerade vor dem Hintergrund, dass das Jahr 2010 von der UNO zum Jahr der Biodiversität (Anmk.: biologischen Vielfalt) erklärt worden ist, ist es wichtig, dass nicht nur die zuständigen Minister der Staaten kooperieren. Die Schutzgebiete vor Ort können länderübergreifende Strategien aus der Praxis heraus entwickeln“, sagt Viktoria Hasler, die das Projekt vonseiten des Lebensministeriums (BMLFUW) betreut.
„Wir wollen kein Netzwerk sein, das nur groß redet, sondern in allen Arbeitsbereichen Konkretes vorantreiben“, so Georg Frank, Projektleiter des Nationalparks Donau-Auen. Die Umsetzung von EU-Richtlinien (wie Natura 2000, s. Kasten) gehört dabei genauso zu den Aufgaben wie der Versuch, stark regulierte Flussabschnitte wieder zu ursprünglichen Formen zurückzuführen. „Gerade wenn es um etwas so Dynamisches wie Lebensräume und Tiere geht, ist länderübergreifende Zusammenarbeit wichtig. Missmanagement kann hier auch für andere Länder gravierende Folgen haben“, so Zoologie-Professor Thomas Frank von der Wiener Boku.

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