15.06.2010
Der Amtsschimmel und die freie Wildbahn
den Ausbau mobiler Behördenservices sein. REPUBLIK hat sich angesehen, ob mobiles Equipment gerade die Verwaltungsarbeit revolutioniert.
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Text: Lukas Wiesboeck
Lange Warteschlangen für Reisepassanträge sind in Reutte kein Thema. Gemeinsam mit rund 1,2 Millionen anderen Österreichern haben vor zehn Jahren auch hier viele die Chance genutzt, kurz vor der Gebührenerhöhung ihren Reisepass zu erneuern. Anfang 2010 sind all diese Dokumente abgelaufen. Dem Erneuerungsansturm trat man bei der BH schon zu Beginn des Jahres mit einem mobilen Bürgerservice entgegen. „Wir sind mit Zweierteams je einen Nachmittag lang zu großen Wirtschaftsbetrieben gegangen und haben Anträge für Pässe und Personalausweise entgegengenommen“, sagt Bezirkshauptfrau Katharina Schall. 180 Personen haben diese Möglichkeit bisher genutzt. Damit es vor dem Sommerurlaub zu keinen Engpässen kommt, wird das Konzept weiter ausgebaut.
Auch in Linz nahm man die Passerneuerungswelle zum Anlass, ab Mai ein mobiles Bürgerbüro einzurichten. „Wir haben einen zentralen Standort und Außenstellen in den Stadtbibliotheken mit einem verkleinerten Leistungsaufgebot“, sagt Karl Wögerbauer, Leiter des Einwohner- und Standesamts der Stadt Linz. Das einzige, was noch nicht möglich ist, ist ein Homeservice. Aber auch das soll sich ändern: Neben berufstätigen Menschen sollen nämlich nach der Testphase bei der Linz-AG auch Bewohner von Seniorenheimen davon profitieren. Mit einer maßgeschneiderten IT-Lösung haben die Mitarbeiter unterwegs Zugriff auf Scanner, Drucker sowie alle Datenbanken und Anwendungen. Damit kann man die Passanträge gleich an die Staatsdruckerei weiterleiten. „Wir beginnen gleich mit dem schwierigsten Produkt. Wenn das klappt, sind wir für alle anderen Dienstleistungen gerüstet“, so Wögerbauer.
Um auch kleinere Behörden und Kommunen mit mobilem Equipment auszustatten, haben Lösungsanbieter bereits Komplettpakete entwickelt: T-Systems stellte etwa auf der Technikmesse CeBit den Prototypen eines „Beamtenkoffers“ vor. Die gesamte Büroausstattung inklusive Laptop und Chip-Lesegerät ist in einem Aktenkoffer integriert. Kabelsalat gibt es dennoch keinen, der Koffer verfügt über eine zentrale Stromversorgung.
„Durch die Ortsungebundenheit kann man die Betriebskosten der Bürgerbüros senken, die Digitalisierung der Arbeitsvorgänge führt zu Effizienzsteigerungen“, so Thomas Schuehle von T-Systems.
Erfahrungen mit mobilen Systemen gibt es vor allem bei der Polizei, denn „dort werden besonders hohe Anforderungen an die Mobilität der Beamten gestellt“, sagt Mobility-Experte Georg Lankmayr. Er verweist auf ein Pilotprojekt in England, wo Exekutivkräfte bereits jetzt Unfälle über drahtlose Infozugänge erfassen. Zukunftspotenzial bei der Mobilisierung von Verwaltungsbeamten sieht Lankmayr in erster Linie bei der Reduktion des Dokumentationsaufwands. „Eine Herausforderung für alle diese Systeme ist aber die Datensicherheit.“

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