15.06.2010
Miteinander reden lernen
Text Gertraud Eibl
Vom Uni-Professor bis zum Audimaxisten, vom Wissenschaftssprecher bis zum Mittelbauer: Beim „Dialog Hochschulparnterschaft“ versammelt das BMWF eine bunte Personenschar an einem Tisch. Diskutiert werden Themen wie der Studienzugang, die Finanzierung des Hochschulsektors und die Umsetzung des Bologna-Prozesses. Noch nie gab es in Österreich einen derart breiten Diskurs über die Zukunft der Unis, nie wurden so viele Meinungen gehört.
Während die meisten Stakeholder vom neuen Dialogformat überzeugt sind, riss einzelnen Personengruppen der Geduldsfaden – ihr Ausstieg war die Folge.„Von den protestierenden Studierenden kam anfangs der Einwand, dass sich das Ministerium alles richtet. Dass dem nicht so ist, zeigen wir durch einen großen Diskussionsspielraum“, sagt BMWF-Generalsekretär Friedrich Faulhammer. Er hat die Gesamtleitung des Prozesses über; unterstützt wird er von Beamtenkollegen und der Politikberatungsagentur Promitto. Wichtig ist Faulhammer, dass das Ministerium eine zurückhaltende Leitungsfunktion hat.
Wenn Misstrauen in der Luft liegt
Bei der Auftaktveranstaltung einigte man sich auf fünf Themenkörbe, die nun Inhalt der monatlich stattfindenden Arbeitsforen sind. In jedem der Arbeitsforen versammeln sich bis zu 50 Diskutanten aus den Stakeholdergruppen. Dazwischen finden übergreifende Treffen zu Einzelfragen statt.
Als eine der Moderatoren hat Promitto-Geschäftsführerin Barbara Guwak die Aufgabe, verschiedenen Positionen Raum zu geben und dadurch gemeinsame Empfehlungen zu ermöglichen. „Wenn in einem Arbeitsforum Menschen mit unterschiedlichem Informationsstand, unterschiedlicher Betroffenheit und Expertise diskutieren wollen, ist das für alle eine wahre Herausforderung.“ Aus diesen Differenzen habe man gelernt, Wissen besser zugänglich zu machen, um eine ordentliche Gesprächsbasis zu ermöglichen. „Außerdem gab es anfangs viele Vorurteile über die jeweils anderen. In der Luft lag oft ein gegenseitiges Misstrauen. Da ist viel Positives gelungen. In manchen Bereichen wurde dennoch um den heißen Brei herumgeredet“, sagt die Moderatorin.
„Dass alle Protokolle öffentlich einsehbar sind, wechselseitiges Vertrauen erzeugt und offen diskutiert werden konnte, ist ein großer Erfolg“, sagt Faulhammer und zeigt sich zufrieden. Zwar könne man nicht alle Fragen klären. Wohl aber sei das ein wesentlicher Schritt in Richtung Konkretisierung, wenn auch die Geduld der Teilnehmer oft strapaziert worden sei.
Die Ergebnisse aus dem Dialog haben Empfehlungscharakter. „Je stärker die Empfehlung, desto höher ist die Umsetzungswahrscheinlichkeit“, fasst Faulhammer zusammen.
Derzeit laufen weitere Diskussionen über strittige Punkte; einige werden zu einem Konsens führen, andere zu weiteren Debatten. Das offizielle Papier soll es Ende Juni geben.

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