15.06.2010
Das öffentliche Leiden junger Akademiker
WU-Absolvent: Auf den ersten Blick erscheint der öffentlichen Sektor ein potenter Aufnahmepool für Akademiker zu sein. Eine Studie zeigt nun, dass immer weniger Uni-Absolventen im Schoss von Vater Staat laden.
Text Andrea Krieger
Jobsicherheit, Chancengleichheit, eine bessere Work-Life-Balance und laut Rechnungshof auch höhere Gehälter: Das alles zieht Jungakademiker magisch am öffentlichen Sektor an. Die Chancen dort zu landen, stehen momentan aber schlechter als früher. Das ist eines der Ergebnisse der Studie „Zwischen Akademikermangel und prekärer Beschäftigung“ des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (IBW). Darin heißt es: „Die Beschäftigung im vorwiegenden öffentlichen Sektor hat sich von rund 50 Prozent auf unter 43 Prozent der Erwerbspersonen mit Hochschulabschluss reduziert.“ Unter dem „vorwiegenden öffentlichen Sektor“ verstehen die Studienautoren Arthur Schneeberger und Alexander Petanovitsch alle überwiegend öffentlich finanzierten Dienstleistungen.
Dazu zählt das Autorenduo neben der Öffentlichen Verwaltung die Sparten Erziehung und Unterricht, das Gesundheits- und Sozialwesen, die Bereiche Kunst, Unterhaltung und Erholung, die Landesverteidigung und die Sozialversicherung sowie exterritoriale Organisationen und Körperschaften.
Sparstift
Dass die Öffentliche Hand, was die Einstellung von akademischem Personal betrifft, seit Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr mit der Privatwirtschaft mitkommt, überrascht Bildungsforscher Schneeberger wenig. „Angesichts einer Studienanfängerquote von über 31 Prozent kann der öffentliche Sektor die Hochschulexpansion eben nicht mehr aufsaugen wie ein Schwamm.
Es gibt eine Grenze dessen, was der Steuerzahler finanzieren will“, sagt der Experte. Das bestätigt nicht zuletzt der Aufnahmestopp. Abgesehen vom Sicherheits- und Erziehungsbereich lautet die Lösung: Nur jede zweite pensionierte Person ist nachzubesetzen. „Allein beim Bund, der mit 31 Prozent den höchsten Anteil von Akademikern unter den Beschäftigten hat, wurden seit 1999 10.000 Vollzeitstellen eingespart“, sagt Sektionsleiterin Angelika Flatz, im Bundeskanzleramt (BKA) für den Öffentlichen Dienst zuständig. Dennoch sei dort der Anteil der Hochschulabsolventen an den Beschäftigten seit 1998 sogar um zwei Prozent gestiegen.
Allerdings hat sich im selben Zeitraum die Akademikerquote der Privatwirtschaft mit einem Plus von fünf Prozent eben noch stärker erhöht. Bildungsexperte Schneeberger verweist auf die absoluten Zahlen seit 1991: „Im privaten Dienstleistungs- und Produktionsbereich hat sich die Akademikerbeschäftigung zwischen 1991 und 2008 von rund 97.700 auf rund 254.000 gesteigert. Im öffentlichen Sektor hingegen nur von 99.400 auf 192.000.“
Der Staats- und staatsnahe Dienst könnte jedoch bald wieder aufholen. Denn ab 2015 geht laut BKA die größte Alterskohorte in Pension. Dann geht

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