13.07.2010
Verleihen statt verschenken
Neuanfang. Die Entwicklungsbank vergibt über spezielle Fonds und deren Infrastruktur zahlreiche Minikredite vor Ort.
Text
Gudrun Haigermoser
Das Geld der Bank wird somit nicht verschenkt, sondern nach marktkonformen Kriterien vergeben. Frau Slabic näht kunstvolle Hochzeitskleider und hat sich damit eine solide wirtschaftliche Existenz aufgebaut. Davor hat sie einiges mitgemacht, wurde aus ihrer eigentlichen Heimat vertrieben: Nach dem Bosnienkrieg Mitte der 1990er Jahre floh die Witwe mit zwei kleinen Kindern aus dem zerstörten Norden nach Tuzla. Mit den Anleihen finanzierte sie die Anschaffung von Nähmaschinen und Material, das sie für die Herstellung ihrer Kleider benötigte.
„Ich bedanke mich vor allem für die rasche Bewilligung der Kredite. Es war notwendig, bestimmte Materialien sofort zu kaufen“, sagt Slabic heute. Insgesamt elf Kleinkredite erhielt die Schneiderin vom lokalen Mikrokredit-institut-Partner. Dieses wiederum lukriert seine Mittel aus dem Europäischen Fonds für Südosteuropa (EFSE), der auch durch Gelder der Österreichischen Entwicklungsbank (OeEB) gespeist wird.
Kein Wundermittel, aber ein Beitrag zur Nachhaltigkeit
„Eine Investition in den EFSE ist eine sehr sinnvolle. Wir können durch die gute Vorortstruktur des Fonds viele kleine Kunden erreichen und sind nahe an unserer Zielgruppe. Das gelingt uns als Entwicklungsbank sonst nur schwer“, sagt Kristin Duchâteau, Abteilungsleiterin der OeEB-Advisory Programme. „Mikrofinanz per se würde ich nicht als Wundermedizin darstellen. Aber dieses System leistet einen sehr guten Beitrag für die nachhaltige Entwicklung eines Landes. Wenn unternehmerisches Tun gefördert wird, ist das anders als ein Geldgeschenk.“
Dauerhafte Mittelstandshilfe
Auch Edeltraud Hanappi-Egger, Professorin für Gender- und Diversitätsmanagement an der WU Wien, betrachtet Mikrokredite nicht als Allheilmittel, ist aber nicht grundsätzlich skeptisch: „Es ist zu unterscheiden, ob Mikrokredite an ,economically active’-Personen vergeben werden, die bspw. schon über ein Stück Land verfügen. Oder aber ob diese zum Zweck der Armutsbekämpfung hergegeben werden.“
Die nachhaltige Wirkung der indirekten Mittelvergabe hat Sylvia Wisniwski von Finance in Motion, eine der für den EFSE zuständigen Fondsmanagerinnen, überzeugt: „Eine Direktvergabe würde den lokalen Finanzmarkt unterwandern. Man möchte diesen aber stärken und die lokale Mittelstandshilfe dauerhaft machen.“ Ein solcher Fonds sei ein sehr cleverer Mechanismus, die Entwicklungspolitik effektiver zu machen und private Investoren für entwicklungspolitische Zwecke zu engagieren.

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