Neo-Magistratsdirektor Erich Hechnter über seinen neuen Job
13.07.2010
Ein Steirer in Wien

Interview
Lukas Wiesboeck
In seiner neuen Funktion unterstehen dem ehemaligen Kontrollamtsdirektor 65.000 Beamte, außerdem sitzt er nun an einer einflussreichen Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung. REPUBLIK hat Hechtner gefragt, wie er seinen neuen Job anlegen wird.
Wien belegt im Vergleich mit anderen Städten regelmäßig Spitzenplätze. Was gibt es für Sie noch zu tun?
Das Niveau ist sicherlich sehr hoch, mehr als Platz eins gibt es nicht. Für mich ist das aber ein Ansporn, die Leistung auf diesem Niveau zu halten. Verbesserungen kann es immer geben. Eine Stadt befindet sich ja ständig in Entwicklung.
Gibt es andere Städte, die Sie als Best-Practice-Beispiele für die Zukunft heranziehen?
Wenn man Benchmarks hernimmt, sieht man, dass Wien in den vorigen Jahren sehr gut gearbeitet hat. Gerade im Verwaltungsbereich gibt es international aber viele interessante Entwicklungen, denen man sich nicht verschließen sollte. Deshalb ist der Austausch mit Partnern wichtig. Gute Kontakte gibt es beispielsweise zu Paris, aber auch nach Deutschland und in den Osten. Es geht also nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern sich gegenseitig zu vernetzen. Die Stadt Wien verfügt über einen enorm großen Verwaltungsapparat mit rund 65.000 Beschäftigten, 28.000 davon direkt beim Magistrat (ohne Krankenanstalten).
Wie kann man in Sparzeiten Reformen durchführen, ohne die Qualität zu beeinträchtigen?
Reformen hat es immer gegeben, die waren und sind auch immer notwendig. Wichtig ist aber eine verantwortungsvolle Herangehensweise. Stabilität der Personalkosten ist dabei eine Zielsetzung, die in der Zukunft Bestand haben sollte. Das ist gerade im großen Bereich der Dienstleistungen notwendig, bei dem man auf die Beteiligung von Menschen angewiesen ist. Es ist ja nicht so, dass ohne Maß und Ziel Personal aufgestockt wurde. Sondern es ist seit jeher verantwortungsvoll mit dem Personaleinsatz umgegangen worden. Man müsste aber nicht alles selbst erledigen. Einige Aufgaben könnten fremdvergeben oder ausgelagert werden.
Hier muss man sich immer fragen, ob mit solchen Maßnahmen tatsächlich Einsparungen verbunden sind. Für Wirtschaftlichkeit braucht es nicht unbedingt eine bestimmte Form – das gilt für innen wie außen. Auslagerungen gab es in den vergangenen Jahren ohnehin immer wieder, wenn man etwa das Wien Museum oder die Stadtwerke hernimmt. Das sind ja auch nicht gerade kleine Bereiche. Anderswo hat man die wirtschaftliche Selbständigkeit erhöht, indem man zum Beispiel den Krankenanstaltenverbund als wirtschaftliche Unternehmung eingerichtet hat. Detto bei Wiener Wohnen. Die Frage ist also nicht nur jene der Auslagerung, sondern die einer allgemeinen wirtschaftlichen Herangehensweise. Daran werden wir weiterhin arbeiten.
Welche Rolle spielt E-Government bei Ihren Reformplänen?
Moderne Informationstechnologien sind ein fixer Bestandteil in dieser Stadt. Ich habe früher noch alles im Papierbereich erlebt. Durch die kurzen Zyklen der technischen Entwicklung kam es zu einem enormen Umbruch bei der EDV, den ich immer als große Chance wahrgenommen habe.
Man muss sich ansehen, was man dadurch vereinfachen oder beschleunigen kann und wie man die Organisation entsprechend anpassen kann, um diese Ziele zu erreichen. In Zukunft wird man sich auch mit neuen Kommunikationsmöglichkeiten im Internet auseinandersetzen müssen. Ich glaube, es wird ein wichtiger Faktor sein, wie die Mitarbeiter der Stadt auf diese Weise mit den Bürgern zusammenarbeiten und kommunizieren können. Ein politisches Dauerthema ist Migration und Integration.
Wie kann die Verwaltung hier einen Beitrag leisten?
Diversität ist in einer weltoffenen Stadt nicht wegzudenken. Das reflektiert sich auch durch die Beschäftigten der Verwaltung. Ich sehe das auch im Kontext, welche Qualifikationen neue Mitarbeiter brauchen. Das Thema stellt sich anders dar als noch vor 20 Jahren. Heute geht es viel stärker auch um zwischenmenschliche Fähigkeiten. Fühlen Sie sich ob der Vielfalt der
Verwaltungstätigkeiten der Stadt eigentlich noch als Beamter oder eher als Wirtschaftskapitän?
Natürlich haben die Tätigkeiten eine wirtschaftliche Komponente und durchaus auch einen Management-Anstrich. Dazu kommt aber, dass als Ergebnis unserer Handlungen die Rechtssicherheit von Bedeutung ist. Ein wirtschaftlicher Umgang mit Ressourcen als Erwartung der Wirtschaft und der Bürger an die Stadtverwaltung wird aber in Zukunft immer wichtiger werden.
Was ist die herausragendste Veränderung in der Wiener Stadtverwaltung, seit Sie vor 25 Jahren in deren Dienst eingestiegen sind?
Der Umgang der Verwaltung mit der Bevölkerung hat sich meilensteinartig verändert. Ich habe damals noch erlebt, wie Bürger nicht als Kunden aufgefasst wurden, sondern als jene, die etwas ansuchen oder einreichen müssen. Dazu kommt der kontinuierliche Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes und – was mich persönlich freut – eine deutliche Zunahme an Radfahrern in der Stadt.
Was ist Ihre Vision für Wien 2050?
Die Stadt muss ihre Weltoffenheit behalten. Wien darf bei globalen Entwicklungen nicht hinten nachlaufen, sondern an vorderster Stelle stehen. Das ist das, was die Stadt ausmacht und was sowohl in der Gegenwart als auch für 2050 eine Zielsetzung sein muss.
Was ist ihr Lieblingsort in Wien, haben Sie einen Geheimtipp?
Geheimtipps gebe ich nicht gerne preis, dann bleiben sie nämlich nicht lange geheim. Aber: Ich bin immer wieder gerne in der Lobau.

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